Von André Grunden

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In aller Regel verzichten wir lieber darauf, das Sommerlager einem speziellen Motto unterzuordnen. Schließlich ist es schwierig genug, einer ganzen Woche ein ganz spezifischen Thema zu geben und mal ehrlich – eigentlich wollen wir doch nur entspannen, oder nicht? Ein klares Thema bedeutet eine klare Struktur, und eine klare Struktur bedeutet eine straffe Organisation … und das klingt irgendwie viel zu anstrengend für den Sommer.

Da halten wir es doch lieber mit genau diesem Leitthema: Sommer. Unter dem penetranten Motto „SONNIG UND WUNDERSCHÖN!“ gings am 14.Juli per Minireisebus vom Rheder Kirmesplatz auf ins Reich der niederländischen Nachbarn, um ein wenig mehr von der Käsekultur zu lernen. Das Motto war wohl bitter nötig, denn Petrus meinte es mit uns nicht sonderlich gut. Da konnten wir noch so laut „SONNIG UND WUNDERSCHÖN!!!“ brüllen, es half nix. Aber wer ein echter Pfadfinder ist, der lässt sich von ein paar (vielen) Regentropfen nicht aus dem Konzept bringen oder sich – Gott bewahre! - gar die Laune verderben. Schließlich sind wir durch jahrelange Erfahrung auf derlei Dinge vorbereitet und würden niemals auf die Idee kommen, mit Sommerschuhen, ohne Regenjacke oder gar mit unpraktischem Handgepäck à la Trolli anzutreten. Wo denkt ihr hin...

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In der Tat hatte der Zeltplatz am Rande Rotterdams eine ganze Menge zu bieten, das über ewaige nasse Unterhosen und schlammige Schlafsäcke hinwegtröstete. So war der Platz von mehreren Gracchten durchzogen, auf/unter/über und in denen man allerlei feuchten Schabernack treiben konnte. Und nass war es ohnehin, also was gab es zu verlieren? Wir vergnügten uns also mit Paddelduellen auf dem Kanu, bestritten einen Geschicklichkeitsparcours über dem Wasser oder nutzten die raren (nicht metaphorischen) Lichtblicke auf urigen Holzbänken mitten in einer Idylle, die man in einer der größten Städte der Niederlande gar nicht erwartet hätte.

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Da das Wetter sich einfach nicht unserem Willen beugen wollte, fuhren wir am Montag andere Geschütze auf: geistlicher Beistand aus Rhede in der Form von Maria Büning reiste zu unserer Verstärkung. Mit vereinten Kräften wurde in Form von Gotttesdienstworkshops eine Messe aus dem (schlammigen) Boden gestampft, die Petrus von seinen feuchten Wetterplänen abbringen sollte. Wir bastelten eine Reihe von Kreuzen, baten per Fürbitte um Erlösung vom Regen, Lukas las aus dem Evangelium nach Lukas und gemeinsam schmetterten wir das kirchliche Best-of der Anti-Schlecht-Wetter-Musik. Es half trotzdem nix.

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Ein weiteres, ziemlich konkurrenzloses Highlight der Fahrt stellte der Verkehrt-Herum-Tag dar. Hier wurde alles konsequent auf den Kopf gestellt. Der Tag begann mit einer zünftigen GSoLa2012_4rillaktion, gegen Mittag gab es Kaffee und Kuchen und am Abend traf man sich zum Frühstück. Auch tauschten die Kinder mit ihren Leitern die Positionen und übernahmen somit für 24 Stunden die Macht auf dem Zeltplatz. Auf beiden Seiten sammelte man dabei einige Erfahrungswerte. Während die beiden einsamen Pfadfinder und ein verkaterter Rover sich doch ziemlich cool vom eigentlichen Treiben distanzierten, erfuhren die meisten anderen, wie anstrengend die neuen Rollen doch sein konnten: Manch ein frischgebackener Wö stellte schnell fest, dass es eine Menge Ausdauer und Kreativität braucht, den ganzen Tag rumzubrüllen, zu rennen und immer wieder etwas zu finden, womit man die Leiter nerven konnte. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Verkehrtherum-Wös sich damit unterschiedlich schwer taten... Die neuen Leiter hatten alle Hände voll damit zu tun, sich um normalerweise nebensächliche Dinge wie Essenszubereitung oder Tagesprogramm zu kümmern. Dafür meisterten sie diese Aufgaben mehr als bravourös und veranstaltelten ein Programm, dass sich sehen lassen konnte. Tatsächlich waren auch alle bis auf die blöden pubertierenden Pfadis (mit Gitarre und verbotenem MP3-Player verschwunden) begeistert.

Die Woche im Regenloch bot nebenher noch einige weitere Abenteuer, wie etwa einen Ausflug nach Gauda, die Stadt in der hinter jeder Ecke und selbst am Himmel Käse auf einen lauerte. Nicht zuletzt ist hier auch der Summerstaff zu erwähnen, der uns mit Rat und Tat zur Seite stand, einige Programmpunkte für uns organisierte, uns ausreichend mit Frikandeln versorgte und uns jeden Morgen eine liebevoll gestaltete Tageszeitung über die Ereignisse auf dem Zeltplatz einreichte.

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Als wir dann am Samstag zurückreisten, war die große Lagerfamilie doch eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Hollandabenteuer. Dem Regen hatten wir zumeist gezeigt, wie egal er uns war und letztlich doch eine ganze Menge Spaß gehabt. Einziger Wermutstropfen war die Tatsache, dass das Wetter sich mit unserer Abreise konstant in Richtung Tropenklima steigerte. Aber man kann nicht alles haben. Und irgendwann nach einer Woche ists auch gut gewesen mit dem Leben im Zelt. So trennte sich die frischgefundene Lagerfamilie am 21.Juli wieder und die Kinder kehrten zurück zu ihren „richtigen Eltern“. Die Verwandtschaftsbeziehungen, die sich in einer Woche Sommerlager ergeben hatten, waren zumindest mir ohnehin zu unübersichtlich.

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